„Kriegstüchtig? – Es geht auch anders“

Großes Interesse an unserem Workshop zur Sozialen Verteidigung beim Gutes-Morgen-Festival der GLS Bank

Wie können wir unsere Gesellschaft schützen, ohne auf militärische Gewalt zu setzen? Diese Frage stand im Mittelpunkt unseres Workshops „Kriegstüchtig? – Es geht auch anders“, den wir Anfang Juni beim Gutes-Morgen-Festival der GLS Bank in der Bochumer Jahrhunderthalle angeboten haben.

Mit gut 130 Teilnehmenden war das Interesse sogar größer als erwartet. Das zeigt: Viele Menschen suchen nach Antworten auf die aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen – und möchten wissen, welche Alternativen zu einer zunehmenden Militarisierung unserer Gesellschaft bestehen.

Nach einem Blick auf die menschlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kosten von Kriegen luden die Referierenden Rainer Gertzen und Christine Garve-Liebig die Teilnehmenden zu einem ersten Austausch ein: Was ist mir wichtig zu schützen? Was möchte ich verteidigt wissen?

Die Antworten waren vielschichtig: Genannt wurden zum Beispiel Menschenleben, Familie, Demokratie, Menschenwürde, Freiheit, Selbstbestimmung, die Zukunft der Kinder und der Schutz der Natur. Damit wurde deutlich: Was Menschen bewahren möchten, sind in erster Linie Werte und Lebensgrundlagen – nicht Grenzen oder Territorien.

An diesen Gedanken knüpfte die Einführung in das Konzept der Sozialen Verteidigung an. Sie verbindet zwei zentrale Elemente: den gewaltfreien zivilen Widerstand gegen Besatzung oder diktatorische Herrschaft sowie Schutzkonzepte, die die Versorgung der Bevölkerung, funktionierende Kommunikation und den Schutz besonders gefährdeter Menschen sichern. Soziale Verteidigung setzt auf die Handlungsfähigkeit vieler Menschen und nicht auf militärische Stärke.

Dass dieses Konzept keine theoretische Idee ist, sondern bereits erfolgreich angewendet wurde, zeigten historische und aktuelle Beispiele: der Ruhrkampf von 1923, der Widerstand norwegischer Lehrer*innen gegen die nationalsozialistische Gleichschaltung und die gewaltfreien Proteste der ukrainischen Stadt Slawutytsch nach der russischen Besetzung im Jahr 2022. Ergänzt wurden diese Beispiele durch Forschungsergebnisse von Erica Chenoweth und Maria Stephan, die belegen, dass gewaltfreie Widerstandsbewegungen im Durchschnitt häufiger erfolgreich sind als gewaltsame und dabei deutlich weniger Menschenleben kosten.

Im zweiten Austausch diskutierten die Teilnehmenden, welche Formen von zivilem Widerstand und gesellschaftlicher Vorsorge in ihrem eigenen Umfeld denkbar wären und welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssten. Dabei wurde deutlich, dass Soziale Verteidigung bereits lange vor einem möglichen Krisenfall beginnt, durch Vernetzung, gegenseitige Unterstützung und den Aufbau resilienter Strukturen.

Zum Abschluss stellten wir die Kampagne „Wehrhaft ohne Waffen“ und die entstehenden Modellregionen vor, in denen Menschen die Idee der Sozialen Verteidigung konkret weiterentwickeln und erproben.

Wir freuen uns über die Einladung der GLS Bank, Teil des Gutes-Morgen-Festivals gewesen zu sein, und über die vielen inspirierenden Gespräche, die weit über die 45 Minuten des Workshops hinausgeführt wurden.

Veröffentlicht 29.07.2026

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